Elektro-Camper sind auf dem Reisemobilmarkt noch immer eine Seltenheit. Auf dem Caravan Salon 2026 in Düsseldorf zeigt Eifelland nun, wie ein vollelektrischer Kastenwagen als vollwertiges Reisemobil funktionieren kann. Grundlage des neuen Eifelland Relax ist der Nissan Interstar-e mit großer 87-kWh-Batterie.
Der Camper kombiniert einen 143 PS starken Elektroantrieb mit Festbett, Küche, umfangreichem Stauraum und bis zu vier Sitzplätzen. Besonders interessant ist dabei, dass die große Traktionsbatterie nicht ausschließlich zum Fahren genutzt wird. Über die Vehicle-to-Load-Funktion kann sie auch Energie für den Campingbetrieb bereitstellen.
Der Einstiegspreis für den elektrischen Eifelland Relax liegt bei 89.900 Euro inklusive Mehrwertsteuer.
87-kWh-Batterie und bis zu 410 Kilometer Reichweite
Als Basis verwendet Eifelland den Nissan Interstar-e mit der größeren 87-kWh-Hochvoltbatterie. Der Elektromotor leistet 105 kW beziehungsweise 143 PS und stellt ein maximales Drehmoment von 300 Nm zur Verfügung.
Nissan nennt für das Basisfahrzeug eine WLTP-Reichweite von bis zu 410 Kilometern. Dieser Wert darf allerdings nicht mit der tatsächlichen Reichweite des fertig ausgebauten Eifelland Relax gleichgesetzt werden.
Der Campingausbau erhöht das Fahrzeuggewicht, hinzu kommen Passagiere, Wasser, Lebensmittel und Reisegepäck. Auch Autobahntempo, niedrige Außentemperaturen und die Nutzung elektrischer Verbraucher wirken sich auf den Energiebedarf aus.
Wie weit der fertig ausgebaute Camper im realen Reisebetrieb tatsächlich kommt, hängt deshalb stark vom persönlichen Fahrprofil ab. Für längere Reisen sollte mit deutlich mehr Reserve geplant werden, als es die theoretischen 410 Kilometer vermuten lassen.

Schnellladen mit bis zu 130 kW
Für einen Elektro-Camper ist nicht allein die Größe der Batterie entscheidend. Gerade auf längeren Reisen spielt die Ladeleistung eine wichtige Rolle.
An einer geeigneten DC-Schnellladestation kann der Nissan Interstar-e mit bis zu 130 kW geladen werden. Zusätzlich verfügt das Fahrzeug über einen 22-kW-On-Board-Charger für Wechselstrom.
Gerade die vergleichsweise hohe AC-Ladeleistung kann auf Reisen praktisch sein. An einer entsprechend leistungsfähigen Ladesäule lässt sich die Batterie deutlich schneller laden als bei Fahrzeugen, die über Wechselstrom lediglich 11 kW aufnehmen.
Auf Camping- und Stellplätzen dürfte diese Möglichkeit allerdings sehr unterschiedlich nutzbar sein. Ein klassischer Camping-Stromanschluss ist nicht mit einer 22-kW-Wallbox vergleichbar. Für die Reiseplanung bleibt deshalb vor allem die öffentliche Ladeinfrastruktur entscheidend.

Festbett und knapp 2,6 Kubikmeter Stauraum
Beim Grundriss orientiert sich Eifelland an klassischen Campervans.
Im Heck befindet sich ein fest eingebautes Doppelbett mit Lattenrost und Matratze. Die Liegefläche misst ungefähr 1,90 mal 1,60 Meter.
Unter und rund um den Schlafbereich entsteht gleichzeitig viel Platz für Reisegepäck. Insgesamt gibt Eifelland den Stauraum mit knapp 2,6 Kubikmetern an.
Damit eignet sich der Ausbau auch für Camper, die sperrigere Ausrüstung transportieren möchten. Campingmöbel, Sportausrüstung oder anderes Reisegepäck lassen sich im Heck unterbringen, ohne dass dafür jedes Mal der Wohnbereich umgebaut werden muss.
Allerdings spielt bei umfangreicher Ausrüstung nicht nur der verfügbare Platz, sondern vor allem das Gewicht eine wichtige Rolle.

Küche mit Kühlschrank und Induktionskochfeld
Zur Küchenzeile gehören ein 90-Liter-Kühlschrank, ein Spülbecken und ein Induktionskochfeld. Echtholzelemente sowie Hängeschränke über Küche und Bett ergänzen den Ausbau.
Damit verzichtet Eifelland zumindest beim Kochen auf den klassischen Gasherd. Gerade bei einem Elektro-Camper liegt es nahe, möglichst viele Funktionen elektrisch zu betreiben und die ohnehin vorhandenen Energiespeicher stärker in den Wohnbereich einzubeziehen.
Interessant wäre deshalb insbesondere, wie die Stromversorgung des Induktionskochfeldes im autarken Betrieb technisch gelöst ist. Die bislang veröffentlichten Angaben stellen vor allem die Nutzung der Fahrzeugbatterie für die Standheizung in den Mittelpunkt.
Für Camper ist diese Frage durchaus relevant: Ein Induktionskochfeld benötigt deutlich mehr Leistung als beispielsweise Beleuchtung, Smartphone-Ladegeräte oder ein Kühlschrank.

V2L: Die Fahrzeugbatterie versorgt auch die Standheizung
Eine der interessantesten Funktionen des Nissan Interstar-e ist Vehicle-to-Load, kurz V2L.
Dabei kann Energie aus der großen Traktionsbatterie nicht nur für den Fahrbetrieb genutzt werden. Sie lässt sich auch für andere elektrische Verbraucher bereitstellen.
Beim Eifelland Relax wird diese Möglichkeit für die serienmäßige Truma-Eezy-Standheizung genutzt. Die benötigte Energie kann damit aus der Fahrzeugbatterie bereitgestellt werden. Eine zusätzliche Diesel- oder Gasversorgung für die Heizung ist dadurch nicht erforderlich.
Nach Angaben von Nissan soll der Energiebedarf der Heizung im Verhältnis zur Kapazität der 87-kWh-Batterie vergleichsweise gering sein.
Für Elektro-Camper ist genau diese Verknüpfung interessant. Eine große Traktionsbatterie kann auf dem Stellplatz weit mehr sein als nur der Energiespeicher für den nächsten Fahrtag. Sie kann zunehmend auch Funktionen übernehmen, für die klassische Reisemobile zusätzliche Gasflaschen, Dieseltanks oder separate Batterien benötigen.
Wie stark mehrere kalte Nächte mit laufender Heizung die anschließend verfügbare Fahrreichweite beeinflussen, muss allerdings die Praxis zeigen.

Zwei zusätzliche Sitze machen den Relax zum Viersitzer
Für das Modelljahr 2026 hat Eifelland auch den Wohnbereich überarbeitet.
Neben Fahrer- und Beifahrersitz können zwei zusätzliche Einzelsitze eingebaut werden. Dadurch lässt sich der Relax mit bis zu vier Sitzplätzen nutzen.
Die zusätzlichen Sitze können bei Bedarf entfernt und innerhalb des vorgesehenen Bereichs flexibel positioniert werden. Wer überwiegend zu zweit unterwegs ist, kann sie ausbauen und gewinnt dadurch zusätzlichen Platz im Wohnbereich.
Das Konzept erlaubt damit unterschiedliche Nutzungsmöglichkeiten. Allerdings stößt die Viersitzer-Konfiguration beim Gewicht vergleichsweise schnell an ihre Grenzen.
Nur 435 Kilogramm Zuladung
Der wohl wichtigste Wert für die praktische Nutzung des Eifelland Relax ist deshalb nicht die Motorleistung, sondern die verfügbare Zuladung.
Nissan nennt für den ausgebauten Camper ein Leergewicht von 3.065 Kilogramm bei einem zulässigen Gesamtgewicht von 3.500 Kilogramm. Rechnerisch bleiben damit maximal 435 Kilogramm bis zur 3,5-Tonnen-Grenze.
Gerade bei vier Reisenden ist das nicht besonders viel.
Ein einfaches Beispiel zeigt das Problem: Wiegen vier Erwachsene durchschnittlich jeweils 75 Kilogramm, entfallen allein 300 Kilogramm auf die Insassen. Rechnerisch blieben dann nur noch 135 Kilogramm für Wasser, Lebensmittel, Kleidung, Campingstühle, Kabel, Fahrräder und sonstiges Gepäck.
Dabei ist allerdings zu beachten, dass die tatsächlich nutzbare Zuladung davon abhängt, wie der Hersteller das angegebene Leergewicht definiert und welche Ausstattungsbestandteile bereits darin berücksichtigt sind.
Vor dem Kauf sollte deshalb nicht nur auf den Prospektwert geschaut werden. Sinnvoll ist es, das konkrete Fahrzeug in seiner tatsächlichen Ausstattung wiegen zu lassen und anschließend realistisch zu kalkulieren.
Wer überwiegend zu zweit reist, hat beim Eifelland Relax deutlich mehr Reserven.
Assistenzsysteme aus dem Nissan Interstar-e
Das Basisfahrzeug stammt aus der N-Connecta-Ausstattung des Nissan Interstar-e.
Serienmäßig an Bord sind unter anderem Klimaautomatik, Apple CarPlay und Android Auto sowie eine induktive Lademöglichkeit für Smartphones.
Beim Rangieren unterstützen Rückfahrkamera, Parksensoren vorne und hinten sowie ein 360-Grad-Flankenschutz. Gerade bei einem über sechs Meter langen Campervan können diese Systeme auf engen Stellplätzen, Campingplätzen und in Innenstädten hilfreich sein.
Zu den Fahrerassistenzsystemen gehören außerdem ein autonomer Notbremsassistent mit Fußgänger- und Radfahrererkennung, Müdigkeitswarner, Spurhalteassistent und Seitenwindassistent.
Die große Batterie wird beim Camping zum eigentlichen Vorteil
Der interessanteste Punkt am Eifelland Relax ist letztlich nicht allein, dass der Camper elektrisch fährt.
Spannender ist, dass Eifelland beginnt, die große 87-kWh-Fahrzeugbatterie auch für den Campingbetrieb zu nutzen. Die elektrische Standheizung zeigt, welches Potenzial darin steckt. Künftig könnten weitere Verbraucher immer stärker direkt aus dem Energiespeicher des Fahrzeugs versorgt werden.
Genau hier könnte der Elektro-Camper langfristig Vorteile entwickeln. Statt mehrere getrennte Energiesysteme für Fahren, Heizen, Kochen und Wohnen mitzuführen, lassen sich Funktionen zunehmend über eine gemeinsame große Batterie abdecken.
Ganz ohne Kompromisse funktioniert der Eifelland Relax trotzdem nicht.
Die theoretischen 410 Kilometer Reichweite beziehen sich auf das Basisfahrzeug und nicht auf den fertig ausgebauten Camper. Die tatsächliche Reichweite im Reisebetrieb dürfte deshalb niedriger liegen. Gleichzeitig verlangt die Zuladungsreserve von 435 Kilogramm insbesondere bei vier Personen eine sorgfältige Planung.
Auf der anderen Seite stehen eine große 87-kWh-Batterie, bis zu 130 kW DC-Ladeleistung, 22-kW-AC-Laden, ein festes Doppelbett, viel Stauraum und ein Campingausbau, der die Möglichkeiten des Elektroantriebs zunehmend auch im Wohnbereich nutzt.
Der Eifelland Relax auf Basis des Nissan Interstar-e startet bei 89.900 Euro inklusive Mehrwertsteuer. Zu sehen ist der Elektro-Camper auf dem Caravan Salon Düsseldorf vom 28. August bis 6. September 2026 in Halle 15 am Stand A09.
Fotos © by Nissan