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Ich würde einen gebrauchten Wohnwagen nie nur nach Grundriss, Polstern und Preis beurteilen. Entscheidend ist der tatsächliche Zustand. Ein sauberer Innenraum kann Feuchtigkeit kaschieren, ein schöner Außenaufbau kann undichte Leisten haben, und ein gut ausgestatteter Wohnwagen kann durch Mover, Batterie, Markise, Klimaanlage oder Solaranlage schnell an seine Zuladungsgrenze kommen.
Dieser Ratgeber hilft Dir dabei, einen Wohnwagen vor dem Kauf systematisch zu prüfen. Dabei geht es nicht darum, jedes Detail wie ein Gutachter zu bewerten. Aber Du sollst erkennen können, wo Vorsicht geboten ist, welche Punkte Du unbedingt testen solltest und wann ein vermeintliches Schnäppchen eher ein Fass ohne Boden wird.
Besonders wichtig sind Selbstausbauten oder nachträgliche Umbauten. Sie wirken manchmal praktisch, können aber das Gewicht erhöhen, die Dichtigkeit beeinträchtigen oder unsauber ausgeführt sein. Gerade beim Gebrauchtkauf lohnt sich deshalb ein genauer Blick auf Technik, Aufbau, Innenraum, Dokumente und tatsächliches Gewicht.
▾ Inhalt
- Innenraum prüfen
- Geruch und erster Eindruck
- Vorbereitung für die Prüfung
- Sichtprüfung im Innenraum
- Feuchtigkeitsprüfung
- Möbel, Schlafplätze, Toilette und Wasseranlage
- Gasanlage
- Elektrik
- Klimaanlage
- Dokumente und Gewicht
- Außenbereich prüfen
- Unterboden
- Reifen
- Dach und Dacheinbauten
- Fenster, Türen, Leisten und Anbauteile
- Gaskasten und Gasanschlüsse
- Außenfunktionen, Deichsel, Beleuchtung und Mover
- Fazit und Preisbewertung
- Checklisten zum Ausdrucken
Der Innenraum: Prüfen mit allen Sinnen

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Beim Wohnwagenkauf beginnt die wichtigste Prüfung oft im Innenraum. Hier zeigen sich viele Schäden zuerst: Feuchtigkeit, weiche Stellen, muffiger Geruch, verzogene Möbel oder Spuren früherer Reparaturen. Ein gepflegter Innenraum ist ein gutes Zeichen, aber kein Beweis dafür, dass der Wohnwagen trocken und technisch in Ordnung ist.
Für die Besichtigung solltest Du Dir ausreichend Zeit nehmen. Öffne Schränke, schaue unter Polster, prüfe Ecken und miss mit einem Feuchtigkeitsmesser. Gerade gebrauchte Wohnwagen können äußerlich sehr gut aussehen, obwohl im Aufbau bereits Feuchtigkeit sitzt.
Erster Eindruck: Der Geruch
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Schon beim ersten Betreten solltest Du bewusst auf den Geruch achten. Riecht es muffig, modrig oder feucht, ist Vorsicht geboten. Das kann ein Hinweis auf versteckte Feuchtigkeit, Stockflecken oder alte Wasserschäden sein.
Auch ein sehr starker Geruch nach Raumspray, Lufterfrischer oder Reinigungsmitteln sollte Dich skeptisch machen. Manchmal wird damit versucht, unangenehme Gerüche zu überdecken. Ein neutraler, leicht holziger oder sauberer Geruch ist dagegen ein gutes Zeichen.
Verlass Dich trotzdem nicht allein auf die Nase. Ein Wohnwagen kann gelüftet, parfümiert oder frisch gereinigt worden sein. Deshalb gehört der Feuchtigkeitscheck immer dazu.
Vorbereitung für die Innenraumprüfung

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Bevor Du mit der Prüfung beginnst, sollte der Wohnwagen möglichst vollständig zugänglich sein. Bitte den Verkäufer, alle Bereiche zu öffnen und nicht vorher alles „schön zu stellen“. Gerade versteckte Stellen sind wichtig.
- Alle Schränke, Klappen und Stauräume öffnen: Besonders Ecken, Rückwände und Bodenbereiche prüfen.
- Polster und Matratzen anheben: Darunter zeigen sich oft Stockflecken, Feuchtigkeit oder schlechte Belüftung.
- Stromversorgung über 230 Volt herstellen: So lassen sich Steckdosen, Ladegerät, Kühlschrank, Therme oder Klimaanlage testen.
- Wasser in Tank oder Kanister füllen: Nur so kannst Du Wasserhähne, Pumpe, Leitungen und Abläufe wirklich prüfen.
- Gas nur prüfen, wenn Du Dich auskennst: Bei Unsicherheit lieber nicht selbst testen, sondern Fachbetrieb oder gültige Prüfunterlagen verlangen.
Sichtprüfung: Auf Hinweise achten

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Schau Dir alle sichtbaren Flächen genau an. Besonders wichtig sind Ecken, Kanten, Fensterbereiche, Dachluken, Bodenanschlüsse und Übergänge zwischen Wand und Möbeln.
- Verfärbungen oder Ablösungen an Wänden, Decken und Böden
- Aufquellende Holzverkleidungen oder wellige Flächen
- Stockflecken, dunkle Ränder oder modriger Geruch
- Weiche Bodenstellen im Laufbereich, an der Küche oder am Eingang
- Spuren von alten Reparaturen, Silikon, Farbtupfern oder neuen Leisten
Besonders kritisch sind verdeckte Bereiche: hinter Schränken, unter Sitzgruppen, unter Matratzen, in der Nasszelle und im unteren Wandbereich. Dort sammelt sich Feuchtigkeit oft lange, bevor man sie offen sieht.
Feuchtigkeitsprüfung: Mit dem Messgerät auf Nummer sicher

Ein Feuchtigkeitsmessgerät gehört bei jeder Wohnwagenbesichtigung dazu. Einfache Geräte kosten nicht viel, können Dich aber vor sehr teuren Überraschungen schützen. Wichtig ist: Die Werte sind Richtwerte. Je nach Gerät, Material, Messmethode und Oberfläche können Abweichungen entstehen. Deshalb solltest Du immer mehrere Stellen vergleichen und auffällige Bereiche genauer prüfen.
Richtwerte für Feuchtigkeitsmessungen
| Messwert | Einschätzung |
|---|---|
| unter 10 % | trocken, meist unauffällig |
| 10 bis 15 % | leicht erhöht, weiter beobachten und Vergleichspunkte messen |
| 15 bis 20 % | auffällig, Ursache prüfen |
| über 20 % | kritisch, Verdacht auf Feuchtigkeitsschaden |
| über 25 % | deutlich kritisch, Sanierungsbedarf möglich |
Hier gibt es eine Auswahl an Feuchtigkeitsmessgeräten.
Tipp:
Miss nicht nur an einer Stelle. Prüfe in verschiedenen Höhen und möglichst dicht entlang aller Innenwände. Wichtig sind Vergleichswerte: Wenn ein Bereich deutlich höhere Werte zeigt als der Rest des Wohnwagens, solltest Du sehr genau hinschauen.
Hier solltest Du unbedingt messen
- Innenwände in Bug und Heck, jeweils in allen Ecken
- Rund um Fensterrahmen und Dachluken
- In Oberschränken, besonders hinten in den Ecken
- Unter Sitzgruppe, Polstern und Matratzen
- Wände und Boden in der Nasszelle
- Boden im Einstiegsbereich, im Laufbereich und vor der Küche
- Innenbereich der Rangiergriffe an allen vier Ecken
- Direkt am Boden in Achsnähe, besonders bei älteren Wohnwagen
Notiere auffällige Werte. Sie helfen Dir später bei der Entscheidung und können auch eine sachliche Grundlage für Preisverhandlungen sein.
Detailprüfung im Innenraum
Möbel und Ausstattung
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- Schranktüren öffnen und schließen: Laufen sie sauber?
- Scharniere, Schubkästen und Auszüge prüfen: Nichts verzogen oder lose?
- Feststeller, Verschlüsse und Transportsicherungen testen.
- Gleichmäßige Spaltmaße prüfen: Verzogene Möbel können auf Feuchtigkeit oder Verwindung hindeuten.
- Auf nachträgliche Schrauben, ausgerissene Scharniere oder schlecht reparierte Stellen achten.
Schlafplätze und Polster

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- Matratzen prüfen: durchgelegen, muffig oder mit Stockflecken?
- Lattenroste kontrollieren: gebrochen, durchgebogen oder lose?
- Polster und Bezüge ansehen: fleckig, porös oder stark abgenutzt?
- Sitzecke zum Bett umbauen und testen, ob alles sauber passt.
- Unter den Polstern messen und auf Feuchtigkeit achten.
Toilette

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- Funktion der Spülpumpe testen.
- Abwasserschieber prüfen: leichtgängig und dicht?
- Frisch- und Abwassertank auf Dichtigkeit prüfen.
- Fäkalientank herausnehmen und Einschubbereich kontrollieren.
- Starker Fäkaliengeruch ist ein Warnzeichen.
Wasserinstallation

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- Alle Wasserhähne testen, kalt und warm, falls vorhanden.
- Therme prüfen: Funktion, Dichtigkeit und mögliche Frostschäden.
- Wasserleitungen kontrollieren: dicht, sauber und frei von Schimmel?
- Schwarze oder stark verfärbte Schläuche sind ein schlechtes Zeichen.
- Wasserpumpe prüfen: baut sie Druck auf, klingt sie unauffällig?
- Wassertank ansehen und riechen: sauber, geruchsfrei, keine Beläge?
Gasanlage: Funktionstest nur mit Vorsicht

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Die Gasanlage ist sicherheitsrelevant. Eine Sicht- oder Funktionsprüfung durch den Käufer ersetzt keine gültige Gasprüfung. Wenn Du Dich mit Gasanlagen nicht auskennst, solltest Du nichts selbst ausprobieren und die Prüfung einem Fachmann überlassen.
Für Freizeitfahrzeuge mit Flüssiggasanlage ist eine gültige Gasprüfung wichtig. Prüfe deshalb, ob eine aktuelle Prüfbescheinigung vorhanden ist und wann die nächste Prüfung fällig wird.
Wenn eine gültige Gasprüfung vorliegt und Du Dich mit der Bedienung auskennst, kannst Du folgende Verbraucher vorsichtig testen:
- Kühlschrank: Zündet die Flamme? Funktioniert die Kontrollleuchte? Ist das Schauglas sauber? Mehr zum Absorberkühlschrank
- Heizung: Zündung prüfen und auf ruhigen Lauf achten. Mehr zur Gasheizung
- Gebläse: Läuft es leise und kommt warme Luft aus allen Auslässen?
- Kochfelder: Zünden alle Brenner? Ist das Flammenbild gleichmäßig blau? Mehr zu Problemen am Kochfeld
- Backofen: Zündung, Flammenbild und gleichmäßige Wärmeverteilung prüfen. Mehr zum Backofen
Achtung: Wenn Du Dir bei Gas nicht sicher bist, lass die Finger davon. Arbeiten an der Gasanlage gehören in fachkundige Hände.
Elektrik: 12 Volt und 230 Volt prüfen

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- FI-Schutzschalter: Testknopf drücken – der Schalter muss auslösen.
- 12-Volt-Verbraucher: Beleuchtung, Wasserpumpe, Kühlschranklüfter, TV oder Sat-Anlage testen.
- 230-Volt-Verbraucher: Steckdosen, Kühlschrank, Therme und Klimaanlage prüfen.
- Bordbatterie: Alter, Zustand, Spannung und Ladeverhalten ansehen.
- Photovoltaik: Falls vorhanden: Laderegler, Batteriespannung und Spannungswandler prüfen.
Tipp:
Gerade wenn Du auch in der kälteren Jahreszeit unterwegs bist oder autark stehen möchtest, lohnt sich ein genauer Blick auf den Heizungslüfter. Läuft dieser mit 12 Volt, kannst Du ihn über die Bordbatterie nutzen. Ein reiner 230-Volt-Lüfter ist ohne Landstrom schnell ein Problem.
Klimaanlage: Kühl, aber sauber und dicht?
Viele Wohnwagen sind mit einer Klimaanlage ausgestattet oder nachgerüstet. Das ist im Sommer angenehm, kann aber auch Probleme bringen: Undichtigkeiten am Dach, verschmutzte Filter, Gerüche oder hohe Stromaufnahme.
Typische Klimaanlagen im Wohnwagen
- Dachklimaanlage: Wird meist in eine Dachöffnung eingebaut, zum Beispiel anstelle einer Dachhaube.
- Staukastenklimaanlage: Sitzt unter einer Sitzbank oder im Stauraum und verteilt Luft über Schläuche.
- Mobile Klimaanlage: Flexibel, aber oft weniger leistungsfähig und nicht immer praktisch im Wohnwagen.
Worauf Du achten solltest
- Funktionstest: Kühlt die Anlage zuverlässig?
- Gebläse und Bedienung: Alle Stufen und Funktionen testen.
- Kondenswasser: Kein Wasser im Innenraum?
- Dichtigkeit: Besonders bei Dachgeräten die Dachdurchführung prüfen.
- Luftverteilung: Kommt kühle Luft dort an, wo sie gebraucht wird?
Sauberkeit und Hygiene
- Filter und Auslässe: Staubfrei, sauber und ohne Schimmel?
- Geruch: Muffiger Geruch beim Start kann auf Keime oder verschmutzte Filter hindeuten.
- Wartung: Wurden Filter regelmäßig gereinigt oder gewechselt?
Im Zweifel solltest Du Reinigung und Desinfektion einplanen. Eine schlecht gewartete Klimaanlage ist nicht nur unangenehm, sondern kann auch gesundheitlich bedenklich sein.
Dacheinbauten: Alles gut abgedichtet?
- Antenne: fest montiert und dicht?
- Abgaskamin: Verschraubung und Dachdurchführung prüfen.
- Dachhauben: schließen sie dicht? Sind Rollo und Fliegengitter funktionsfähig?
- Pilzlüfter: außen und innen auf Dichtigkeit prüfen.
- Hubdach oder Klappdach: Funktion, Schließmechanismus, Dichtungen und Rollos prüfen.
- Solarpanel: Halterungen und Dachdurchführungen kontrollieren.
Boden prüfen: Auf weiche Stellen achten

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Weiche Stellen im Boden sind ein ernstes Warnzeichen. Sie können auf Feuchtigkeit, Fäulnis oder eine geschädigte Bodenplatte hindeuten. Besonders kritisch sind:
- Einstiegsbereich
- Bereich vor der Küche
- Laufbereich in der Mitte
- Boden unter der Sitzgruppe
- Bereiche an Wandanschlüssen und Radkästen
Wenn der Boden weich ist oder beim Auftreten nachgibt, solltest Du sehr vorsichtig sein. Eine Sanierung kann aufwendig und teuer werden.
Dokumente und Gewicht: Unbedingt kontrollieren

Lass Dir vor dem Kauf alle wichtigen Unterlagen zeigen. Fehlende Dokumente sind nicht automatisch ein Ausschlussgrund, können aber auf Wartungsstau oder unklare Historie hindeuten.
- Letzter HU-Bericht
- Gasprüfbuch oder aktuelle Prüfbescheinigung
- Bedienungsanleitungen für Geräte
- Zulassungsbescheinigung Teil I und Teil II
- Kaufvertrag
- Nachweis zur Dichtigkeitsprüfung, falls vorhanden
- Wiegeschein, besonders bei vielen Nachrüstungen
Gewicht und Zuladung: Nicht nur auf die Papiere verlassen
Prüfe die Angaben in Zulassungsbescheinigung und CoC-Papieren. Wichtig sind vor allem die technisch zulässige Gesamtmasse, die Masse in fahrbereitem Zustand und die verbleibende Zuladung. Sonderausstattung und Nachrüstungen wie Mover, Batterie, Solaranlage, Fahrradträger, Klimaanlage oder Markise können die tatsächliche Zuladung deutlich reduzieren.
Gerade bei gebrauchten Wohnwagen hilft im Zweifel nur ein aktueller Wiegeschein. So siehst Du, wie schwer der Wohnwagen wirklich ist. Ist kaum noch Zuladung übrig, wird der Urlaub später schnell zum Problem. Eine Auflastung kann eine Lösung sein, ist aber nicht immer möglich und kann zusätzliche Kosten verursachen.